Montag, 12. März 2018

Kurzfilm "Watu Wote" für den Oscar nominiert

Gestern habe ich einen Film in der ARD Mediathek gefunden, der mich sehr bewegt hat. Insbesondere desshalb weil die Story auch etwas mit meinem eigenen Leben zu tun hat. Ein Jahr lang habe ich selbst in Mandera gelebt und gearbeitet und bin auch öfters allein mit dem Bus gefahren, in dem diese Geschichte spielt.
Doch worum geht es eigentlich? 2015 überfallen Terroristen der somalischen al-Shabaab Miliz einen Bus der in den Nordosten Kenias unterwegs ist. Was dann passiert ist eine großartige Geschichte über Mut und Menschlichkeit.
Der Deutsch/Kenianische Kurzfilm von Regiseurin Katja Benrath und Produzent Tobias Rosen gewann den Studendenten Oscar und wurde für den großen Oscar als bester Kurzfilm nominiert. Noch zwei Tage auf der ARD-Mediathek.


Dienstag, 13. Februar 2018

Eine Farm für die Kinder

Ein Bericht von Jen Johnson, Lahash
Tief im kenianischen Rift Valley kultiviert ein einzigartiges Kinderheim Glauben, Familie und Landwirtschaft.
Joseph und Jane hatten ein System zur Aufteilung der wichtigsten Familienpflichten. Jane kümmerte sich um die kleine Yvonne, und Joseph tat sein Bestes, um für sie zu sorgen. Das klingt ziemlich typisch für viele Familien, doch warum nur hat ihr System die Aufmerksamkeit der Nachbarn auf sich gezogen? Zum einen beschaffte sich Joseph Nahrung für seine kleine Familie, indem er nach Essen suchte, bettelte oder stahl. Außerdem war er gerade mal fünf Jahre alt. Jane, seine ältere Schwester, war ungefähr sieben Jahre und Yvonne war noch ein Kleinkind. Diese drei kleinen Geschwister waren ganz auf sich allein gestellt. Sie überleben, aber nur knapp.

Die Vision für das Nipe Tumaini Children's Home nahm Gestalt an, noch bevor Jane, Joseph und Yvonne geboren wurden. Als Benson Mungai vor Jahren mit der Rodung von Buschland im kenianischen Rift Valley begann, war es für Kinder wie sie gedacht. Benson wuchs selbst auf einem Bauernhof auf und fühlte sich berufen, gefährdeten Kindern beizustehen, die sonst nirgendwo anders hingehen können. Er erinnert sich, wie er selbst als Kind Tag für Tag eine Machete in der heißen Sonne schwang, im Rhythmus der Kinder, für die Kinder, für die Kinder, für die Kinder.

Bensons Vision für eine nachhaltige Farm passte perfekt zu der Vision von Rice & Beans Month, und dadurch gewonne Einnahmen flossen in sein Projekt, noch bevor überhaupt schon Kinder im Heim lebten. Ein Tröpfchenbewässerungssystem wurde angeschafft, so dass er Obst und Gemüse anbauen konnte, um die Ankunft der Kinder vorzubereiten. Die erste kleine Gruppe bestand aus Joseph, Jane und Yvonne. Sie schlossen sich Benson und seiner Frau Eunice im November 2015 in Nipe Tumaini an. Benson beschreibt den Tag, an dem sie kamen, als den glücklichsten Tag seines Lebens.

Aufgrund ihres Lebens vor Nipe Tumaini hatte Joseph die Angewohnheit, schnell Essen für sich und seine Schwestern zu schnappen, immer aus Angst, dass es nicht genug geben würde. Diese Angst ließ nach, denn Tag für Tag, Monat für Monat, gab es landwirtschaftliche Lebensmittel, die alle Kinder so gut ernährten. Joseph und seine Schwestern haben sich in ein neues Familiensystem eingelebt, in dem sie einfach Kinder sein dürfen. Benson hat nicht aufgehört, für die Farm und die Kinder zu träumen, und Rice & Beans Month hilft weiterhin dabei, diese Träume zu verwirklichen.

Im Jahr 2017 finanzierte Rice & Beans Month ein bedeutendes Upgrade des Tropfbewässerungssystems der Farm. Jetzt hat Benson einen 200.000 Liter großen Erdtank und eine Solarpumpe im Visier, mit der sie einen viel größeren Teil ihres 10 Hektar großen Grundstücks bewässern können. Sein Ziel ist es, dass die Farm alle bei Nipe Tumaini ernähren kann, mit Überschüssen, die in den nahegelegenen Städten und Dörfern verkauft werden können. Der Bau eines zweiten Hauses, in dem eine neue Gruppe von Kindern und Hauseltern untergebracht werden soll, ist im Gange. Zwei Jahre nach seiner Ankunft bei Nipe Tumaini lernt Joseph nun einige landwirtschaftliche Grundlagen von Benson. Er bettelt nicht mehr um Essen, sondern hilft mit, es anzubauen. Er ist stolz darauf, dass er frisches Grünzeug ernten und die Tiere füttern kann. Jane lernt von Eunice Kochkünsten in der Küche. Die kleine Yvonne ist begeistert, die Nipe Tumaini Academy mit ihrer Schwester und ihrem Bruder zu besuchen. Alle drei lernen in Bibelstunden und lieben das Leben auf der Farm, die Benson für sie und die anderen Kinder geplant hat.

Das Konzept hinter Rice & Beans Month ist einfach: Essen Sie preiswerte Mahlzeiten und spenden Sie das Geld, das Sie sparen, damit es zur Verbesserung der Ernährung von gefährdeten Kindern verwendet werden kann. Diejenigen, die diese Idee annehmen, tragen dazu bei, die Gefahr des Hungers für Joseph, seine Schwestern und die Hunderte von Kindern zu beseitigen, die Lahash in ganz Ostafrika bedient. Nicht nur das, Rice & Beans Month sendet eine starke Botschaft an diejenigen, die sich vergessen fühlen: Es gibt Menschen aus der ganzen Welt, die bereit sind, Opfer zu bringen, weil sie wissen, dass es einen Unterschied für die Kinder, für die Kinder, für die Kinder, für die Kinder, macht. Mehr über den Rice and Beans Month findest du auf: eatriceandbeans.com

Donnerstag, 8. Februar 2018

Manchmal fehlt mir ein eiskalter Tag im Schnee

Interessante Einblicke in das Leben einer deutschen Afrikakorospodentin in Nairobi. Wie räumt man am besten mit alten Klischees auf? Man bedient Neue :-)


Freitag, 2. Februar 2018

Was kann ich schon tun?

Manchmal denke ich über die Ungerechtigkeit auf dieser Welt nach. Ich höre die Meldung, dass 82 % des Vermögens dieser Welt  1 % der Menschen gehört und die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung mal wieder überhaupt nicht vom Vermögenswachstum profitiert hat. (Quelle: Oxfam) Ich höre, dass Deutschland noch mehr Waffen in die Welt liefert als je zuvor, obwohl man sich doch anderes vorgenommen hatte. Ich denke daran, wer wohl den Kakao gepflückt hat, oder die Bananen in meinem Müsli? Was ist mit den Klamotten, die ich anhabe und mit denen, die ich schon wieder ausmisten muss, weil sie nicht mehr in meinen Schrank passen? Wer hat sie genäht, was hat die Person dafür bekommen, wie viel muss sie wohl arbeiten, um zu überleben? Was ist mit all den jungen Menschen in Afika, die keine Perspektive auf ein besseres Leben haben, weil Armut, Dürren, Hunger, Krankheit und Gewalt ihnen keine Chance geben?
Dann denke ich daran, wie privilegiert ich bin. Wann wurde ich schon mal wirklich ungerecht behandelt? Ich meine zu meinem Nachteil natürlich, denn zu meinem Vorteil passiert viel Ungerechtes auf dieser Welt. Bin ich daran Schuld? Ist es das System? Könnte ich etwas dagegen tun? Ich kann nicht sagen, ich hätte es nicht gewusst, ich könnte nur sagen, ich habe keine Lust etwas zu ändern. Ausreden kann ich finden, wenn ich sie suche, aber sie sind nicht wirklich belastbar. Wenn ich mich informiere und nicht wegschaue, dann ist sie einfach da, dann schreit sie zum Himmel, die Ungerechtigkeit und ich kann meine Augen nicht vor ihr verschließen.
Ich bewundere Leute, die sie anprangern, die protestieren, demonstrieren und sich konstruktiv dafür einsetzen, dass diese Welt etwas gerechter wird – Respekt!

Und ich frage mich, was kann ich tun, was ist meine Aufgabe? Eigentlich ist sie mir mehr zugefallen, als dass ich sie gesucht hätte. Es ist die Idee, das zu tun, was ich tun kann. In meinem Umfeld, mit meinen Möglichkeiten, mit meinen Freunden, mit den Erfahrungen, die ich gemacht habe und dem, was ich gelernt habe. Alles, was ich dazu gebe, ist nur die Bereitschaft dafür, Verantwortung zu übernehmen, die Aufgabe zu tun, die vor mir liegt.
Sie heißt „Nipe Tumaini – es gibt Hoffnung“ und der Name ist Programm. Kindern in Kenia Hoffnung zu geben, ist für mich zu einer Aufgabe geworden, die mich ausfüllt, die mich begeistert, die mich braucht.
Was ist deine Aufgabe?

Johannes

Freitag, 15. Dezember 2017

Ein neues Motorad für Nipe Tumaini

Ein Bericht von Jen Johnson von Lahash

Ich durfte im Oktober mit dem Lahash Media Team zum Nipe Tumaini Children's Home reisen. Wir starteten in Nairobi einer große Stadt mit viel befahrenen, aber recht gut gepflegten Straßen. Außerhalb der Stadt waren die Straßen weiterhin recht gut und dazu noch viel weniger verstopft. Dann starteten wir den langen Abstieg in das berühmte Rift Valley. Asphaltstraße, zweispurig, und die Serpentinen ins Tal fühlten sich an, als wäre sie etwas zu nah am Rand. (Vor allem, wenn man an einer Stelle den großen LKW sieht, der irgendwann einmal hinuntergerollt ist...) Das Tal erstreckt sich so weit, wie man sehen kann, sehr schön und sehr... ländlich. Wir hielten an, um Wasser in der kleinen Stadt Mai Mahiu zu kaufen. Zu diesem Zeitpunkt war die Straße noch asphaltiert. Aber nicht mehr lange.


Für die letzte Etappe der Reise nahmen wir eine scharfe Linkskurve von der asphaltierten Straße und fuhren in den Busch. Edwin, der Direktor von Lahash East Africa, fuhr das Team in seinem Allradfahrzeug, und die Allrad-Funktion war entscheidend. Abzweigungen sind nur an Orientierungspunkten erkennbar und Edwin erkannte richtig, denn nach etwa 45 Minuten langsamer Fahrt kamen wir auf dem Gelände von Nipe Tumaini an. Die jahrelangen Bemühungen, den Busch zu räumen und das Land zu entwickeln, haben sich gelohnt. Der Weg dorthin ist ein kleines Abenteuer, aber es hat sich gelohnt, dieses kleine Stück Himmel mitten im Rift Valley zu besuchen.

Durch den letztjährigen "Lahash Christmas Giving Guide" wurden Gelder für Nipe Tumaini gespendet, um ein Motorrad zu erwerben. Nach dieser Fahrt von Nairobi aus habe ich verstanden warum.

In ländlichen Gegenden, in denen die Straßen nicht gut ausgebaut sind, sind Motorräder eine wesentlich kraftstoffsparendere und wendigere Art voranzukommen.  Nipe Tumaini's Lage ist wunderschön, und mit der Farm und der Schule direkt dort auf den 10 Hektar Land sind sie ziemlich eigenständig. Aber es ist trotzdem notwendig, dass man für Besorgungen nach Mai Mahiu, oder in andere größeren Städten fährt. Um das Kinderheim sicher und effizient zu betreiben, benötigen sie ein eigenes Transportmittel. Sie hatten kürzlich ein uraltes Auto geschenkt bekommen, und während wir dort waren, kam dann das neue Motorrad dazu.





Dank der Großzügigkeit der Spender des letzten Jahres kam das Motorad rechzeitig zu unserem Besuch an, und das Medienteam (zusammen mit einigen sehr aufgeregten Kindern) konnte die ersten Fahrten miterleben.

Mehrere Kinder aus den umliegenden Dörfern besuchen die Nipe Tumaini Academy und werden von einem Elternteil mit dem Motorrad gebracht. Für die Nipe Tumaini-Kinder wie Melanie ist es dagegen nur ein kurzer Spaziergang in die andere Ecke ihres eigenen Grundstücks. Aber das hinderte Melanie nicht daran, auf eine Testfahrt zur Schule zu bestehen.

So lustig diese Übergabe auch war, so wichtig ist es für mich zu wissen, dass die Nipe Tumaini Family nun eine sichere Transportmöglichkeit hat. Ob für Besorgungen oder für zeitkritische Notfälle, das Motorrad ist ein weiterer Schritt in Richtung Unabhängigkeit für dieses besondere Zuhause und alle, die dort leben.

Samstag, 4. November 2017

Erster Patenbesuch

Von Jen Johnson, Lahash

Das Medienteam von Lahash durfte vier Tage mit der Nipe Tumaini Familie verbringen, und wir freuen uns darauf, euch allen davon zu erzählen! Dies ist der Zweite, in einer kurzen Serie von vier Blog-Posts, die wir erstellt haben, damit ihr ein wenig von der ansteckenden Freude erleben könnt, die wir bei Nipe Tumaini erlebt haben.

Nathan Gillespie ist zum ersten Mal mit Lahash unterwegs. Während seine fotografischen Fähigkeiten eine willkommene Bereicherung für das Media Team sind, war ein größeres Highlight für ihn die Zeit mit den beiden Kindern, die er und seine Frau Amy bei Nipe Tumaini unterstützen, zu verbringen. Der Beginn ihrer Sponsoring-Geschichte wurde in dem Artikel "Nothing Less Than Home" in der jüngsten Ausgabe des "Hope Is Alive" Magazins vorgestellt. Diese Reise war eine Chance, ein neues Kapitel in dieser Geschichte zu schreiben.

Vor zwei Jahren war Faith das jüngste Kind bei Nipe Tumaini, also wusste Nathan, dass jede Beziehung zu ihr hauptsächlich auf spielerischem Umgang beruhen würde. Er mochte es, die Verbindung zu ihren Eltern, Benson und Eunice, und zu den anderen Kindern als große Geschwister zu sehen. Nach ein paar Tagen dort hat er einen guten Eindruck von ihr bekommen: Sie liebt es zu essen, sie redet erstaunlich gut für ihr Alter und sie hat eine feuriges Temprament.

Joseph ist ungefähr sieben Jahre alt, so dass ihm die Bedeutung der persönlichen Begegnung mit seinem Sponsor bewusst war. Während er zusammen mit den anderen Kindern an seinem "Sponsorenbrief" arbeitete, schrieb er etwas auf und sah dann mit einem scheuen Kichern zu Nathan auf, als würde er sagen:"Ich schreibe dir diesen Brief, und du bist genau hier", und Nathan durfte mit ihm ein kleines Fotoalbum durchgehen, um Amy zu "treffen" und ihr Leben in Oregon kennenzulernen. Nathan sagte:"Es war toll, tatsächlich ein bisschen zusammenzuhalten und diese Beziehung zu festigen, und einfach nur zusammen rumzuhängen."

Dienstag, 31. Oktober 2017

Spaß mit Fingerfarbe



Im Oktober war ein Medien-Team unserer Partnerorganisation Lahash unterwegs in Ostfarika und vier Tage zu Besuch bei Nipe Tumaini in Kenia. Was Sie dort erlebt haben, könnt ihr in einer vierteiligen Serie nachlesen, die wir hier für euch übersetzen. Heute Teil eins von Jen Johnson:

Das Lahash Medienteam durfte vier Tage mit der Nipe Tumaini Familie verbringen, und wir freuen uns darauf, euch alle daran Teilhaben zu lassen! Dies ist der Erste in einer kurzen Serie von vier Blog-Posts, die wir erstellt haben, damit ihr ein wenig von der ansteckenden Freude erleben könnt, die wir dort im Rift Valley gefunden haben.

Elf Kinder sind sehr viele für einem Haushalt, aber Benson und Eunice Mungai sind sehr darauf bedacht, dass die Persönlichkeit, Eigenheiten und Bedürfnisse dieser Kinder gesehen und geschätzt werden.

Wir brachten einige Malsachen mit, um ein Projekt mit den Kindern zu machen, das dieses Thema verstärkt. Während sie in der Schule waren, stellten wir Papier und Farben auf, um sie zu überraschen, wenn sie nach Hause kommen.

Jen Johnson ließ die Kinder, die Linien ihrer Fingerabdrücke sehr genau anschauen und erklärte, dass niemand auf der ganzen Welt genau dasselbe Muster hat. Sobald sie den Psalm 139 hörten: "Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele." begannen sie alle zu singen! Eines der Lieder, die sie in der Schule gelernt haben, enthält nämlich genau diesen Vers.

Einer nach dem anderen hatten sie die Chance, eine Farbe zu wählen und dann haben sie ihre Hand mit kalter, matschiger Fingerfarbe bedeckt. Einige kicherten, andere versuchten sich zurückzuziehen, andere waren eher still, als sie die Überraschung verarbeiteten, doch alle hatten ein breites Lächeln auf dem Mund, als sie die Hand vom Papier hoben und den Abdruck darunter sahen.

Jeder von ihnen machte zu Weihnachten ein "Handabdruck-Geschenk" für seinen Lahash-Paten und trug zu einem zweiten, etwas freieren Projekt bei, bei dem zwei große Plakate des Lahash-Baums mit "Handabdruckblättern" dekoriert wurden und bei dem einige der älteren Kinder die Chance erhielten, zu zeigen, dass sie schon schreiben können.

Als wir fertig waren, gab es an einigen unbeabsichtigten Orten Farbe, aber die beabsichtigten Ziele waren gut erreicht worden: Die Kinder konten sich kreativ ausdrücken, ein kindliches Wunder erleben und ihre Einzigartigkeit feiern, so wie Gott sie geschaffen hat.

Ein Video zu dieser tollen Aktion findet ihr hier.